Heinz Gruhne

„Tausche Herrenübergangsmantel gegen Kamera“

Kurz vor der Währungsreform und wenig nach dem Ende des 2. Weltkrieges blühte überall in Deutschland das Schwarzmarktgeschäft. Auf dem Gießener „Umschlagplatz“ vor dem Bahnhof wechselte damals ein Herrenübergangsmantel den Besitzer und Heinz Gruhne kam zu seiner ersten Kamera nach dem Krieg.

Was in den Dreißigern des vergangenen Jahrhunderts als Leidenschaft begann und zu einem Konvolut an Negativen führte, wurde jetzt zur Profession: Am 1. April 1950 trug die Handwerkskammer Darmstadt Heinz Gruhne als „Inhaber eines Fotografen-Betriebes in die Handwerksrolle ein. Die „Lichtbildwerkstätte Gruhne“ war entstanden. Der damals schon etwas antiquierte Begriff wurde gewählt, um das Handwerkliche des Berufes in besonderer Weise zu betonen.

Anfang der 50er Jahre hatte Heinz Gruhne auch begonnen, für den Gießener Anzeiger als Pressefotograf zu arbeiten, eine Tätigkeit, die er zum 1. Juli 1973 aus Altersgründen beendete. Während dieser Zeit war er als „Philosoph der Kamera“ in Stadt und Land bekannt wie ein bunter Hund. Apropos: Zu seiner Lebensphilosophie zählte „Leben und Leben lassen“! Frei sein, sich nicht vereinnahmen lassen, galt ihm als hohes Gut. Am Revers seiner Jacke trug er niemals ein anderes Abzeichen als den roten Leica-Punkt.

Am 15.06.1957 wurde eine Leica IIIf, die erste Leica mit Blitzlichtsynchronisation, vom Unternehmen Ernst Leitz Wetzlar an die Gießener Firma Bornemann, bei der mein Vater Manfred in die Lehre ging, ausgeliefert. 1980 wurde sie noch einmal überholt. Heute steht sie im Schrank. Mit den Leicas aus den sechziger Jahren aber wird heute (wieder) in dritter Generation analog fotografiert.

Die Auswahl der hier gezeigten Foos aus den dreißiger Jahren belegen die große Fähigkeit von Heinz Gruhne, das aufzuspüren, was „Mensch sein“ ausmacht – über alle Grenzen der Ideologie, der Zeitläufte und der in diesen Jahren katastrophalen Umstände hinweg.

Heinz Gruhne wurde 1911 in Dresden geboren und starb 85-jährig 1996 in Gießen.

 

Menschen im Krieg